1981 wurde von Tauchern eine äußerst gut erhaltene alte Lädine im Bodensee gefunden. Sie wurde in Zucker balsamiert und kann heute im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz besichtigt werden. Dieser Fund gab den Anhängern der alten Segelschiffahrt am Bodensee Auftrieb für einen Nachbau.
Die Lädine war über Jahrhunderte der klassische Segelbootstyp am Bodensee. Bei der Bodenseelädine, die man auch kurz Lädi nannte, handelte sich um ein Lastschiff, genauer gesagt einen Lastsegler, der Waren aller Art auf dem Bodensee transportierte. Im 19. Jahrhundert wurden die Segellastschiffe zunehmend mit Motoren ausgerüstet.

Ohne Kiel konnten die Lädinen nicht kreuzen. Bei Flaute wurden sie deshalb oft gerudert oder am flachen Ufer entlang gestakt. Aufgrund der oft flachen Uferbereiche am Bodensee besaßen Lädinen einen flachen Boden. Das seitliche Steuerruder ist an der Backbordseite angebracht und gilt als Besonderheit dieser alten Bodenseeschiffe.

Die Ausmaße der Lädinen schwankten zwar erheblich. Die Schiffe waren zwischen 15 m und ca. 30 m lang. Ihre Tragkraft betrug bis zu120 t.
Bei diesem Projekt war es allerdings das Ziel, eine möglichst originalgetreue Replik unter Berücksichtigung der heutigen Bodensee-Schiffahrtsordnung und mit zur Verfügung stehenden Materialien zu bauen.
Sie sehen hier die dazu angefertigten Risse.

Gut können Sie hier zuerst den Schnitt durch die Lädine, dann eine Draufsicht auf das Oberdeck erkennen.
Schließlich erhalten Sie einen Einblick in das Unterdeck.
Der Lädinenverein in Immenstaad plante seit 1988, ein derartiges Schiff zu bauen. Mit vielen Spenden und der Unterstützung unserer Werft gelang es das Großprojekt bis 1999 umzusetzen.
Um den Rumpf in klassischer Doppelkarweelbauweise zu erstellen, wurde zuerst ein Mallengerüst hergestellt, das Die Rumpfform vorgab.

Aufgrund der enormen Ausmaße wurde der Rumpf in zwei Hälften erstellt.
Sie erkennen auf dem Foto sehr schön die Querspannten, welche den gesamten Rumpf durchziehen und der Lädine die notwendige Festigkeit verleihen. Oben sehen Sie die Decksbalken, welche später das Deck tragen.

Wichtige Teile wurden dann mit einem Gabelstapler in den Rumpf hineinmanövriert.

Sie erkennen hier gut, wie die zwei Rumpfhälften zusammengefügt wurden. Dazu wurde die eine Hälfte mit einem Gabelstapler angehoben und langsam millimetergenau an die andere Rumpfhälfte bugsiert.

Nach nur 18 Monaten Bauzeit hatten wir die Lädine fertiggestellt und bereiteten sie für den Stapellauf vor.

Vor allem im Heckbereich werden die vielen Details sichtbar.
Massives Holz formschön verarbeitet.

Die Ausmaße des auf der Backbordseite angebrachten Ruderblattes werden im Vergleich zur daneben stehenden Person deutlich.
Gut können Sie die am Heck angebrachte Schiffsschraube erkennen.

Der Niedergang im Bug führt zu einem großen Stauraum für Leinen, Fender und Anker.

Am 8.5.1999 lief die Lädine vom Stapel.

Auf der Schienenslippanlage in Friedrichshafen / Seemoos fährt die Lädine langsam in den Bodensee und schwimmt unter den Augen von Betreuern auf Motorbooten sowie zahlreichen Schaulustigen wie errechnet auf.

Voll ausgerüstet wurden mit der neuen Lädine erste Hafenmanöver getestet. Diese gelten bei derart großen Schiffen immer als besonders kritisch.
Gut können Sie die Wirkung des Ruderblattes und der Schraube erkennen.
Ferner sehen Sie auf dem Deck das Rahsegel samt Baum.

Sehr gut erkennen Sie auf diesem Bild die klassische Takelung der Bodensee-Lädinen mit einem an einem Rahbaum gehissten fast rechteckigen Segel.
Zufällig fliegt links davon gerade der Zeppelin NT aus Friedrichshafen vorbei.

Am 8. Mai 1999 erfolgte die Schiffstaufe auf den Namen "St. Jodok".
Seitdem befindet sich die Lädine regelmäßig im Einsatz für Touristenfahrten auf dem Bodensee und hat über 20.000 begeisterte Gäste befördert.

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